Großformatobjektive leiden leider sehr häufig unter sogenannter „Schneideritis“, dies tritt vor allem bei Objektiven von Schneider Kreuznach auf (daher der Name), kann aber auch Objektive anderer Hersteller betreffen.
Das Problem ist dabei relativ simpel: Es löst sich der Lack den der Hersteller auf die Rückseite der Glaselemente aufbringt um interne Reflexionen zu eliminieren. Dies äußert sich im Anfangsstadium durch helle Punkte im Inneren des Objektivs, im fortgeschrittenen Stadium werden diese immer mehr, bis irgendwann der ganze Lack sich gelöst hat.


Um das ganze zu reparieren muss die Rückseite der Linsengruppe zugänglich gemacht werden, in dem das Objektiv von vorne öffne wird. Hierzu empfiehlt es sich etwas Aceton (acetonhaltigen Nagellackentferner gibt es in jeder Drogerie) in das Gewinde zu träufeln um den Sicherungslack in der Verschraubung zu lösen. Hierzu am besten ein Wattestäbchen befeuchten und dann aufpressen, das Aceton zieht sich selbst in die Gewindegände hinein.

Anschließend kann die Linsengruppe kopfüber auf eine (weiche!) Unterlage gestürzt werden. Ich nutze dafür Mikrofasertücher in meiner Hand.
Der Lack sieht von der Rückseite zunächst intakt aus, er hat sich aber vom Glassubstrat gelöst. Trotzdem lässt er sich nicht einfach so abbröseln, er muss mittels Lösemittel entfernt werden. Dabei teste ich verschiedene Lösemittel, immer in der Reihenfolge vom „ungefährlichsten“ zum „gefährlicheren“ in dem ich mit einem Wattestäbchen etwas auftrage. Denn wir wollen nicht den Glaskleber oder die Beschichtung angreifen!
Bei diesem Objektiv:
- Isopropanol: keine Wirkung
- Ethanol: keine Wirkung
- Benzin: keine Wirkung
- Aceton: kaum Wirkung
- UHU Kleberentferner: funktioniert super!



Ist der Lack erst einmal runter sieht man auch direkt wozu er gut ist:

Um das ganze neu zu lackieren muss natürlich die Oberfläche gereinigt und entfettet werden. Dazu eignet sich prima Aceton, dass die letzten Lackschlieren anlöst.
Anschließend kann dann der neue Lack aufgetragen werden. Ich hatte noch Humbrol Matt schwarz No.33. Der hat einen hohen Pigmentanteil, wie er sich bzgl. Haltbarkeit bewährt wird sich zeigen. In Kameras habe ich allerdings sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Alternativen gibt es im Modellbauhandel oder im Baumarkt zahlreiche. Es empfiehlt sich einen möglichst weichen Pinsel zu benutzen, sonst produziert man mehr Streifen im Lack als alles andere (kein Borstenpinsel!).


Wie wichtig es dabei ist vorher den alten Lack vollständig zu und sorgfältig zu entfernen zeigt sich definitiv am Ende! Selbst wenn der Lack noch gut aussieht, er muss runter. Sonst bleiben solche hellen Stellen zurück:

Aber wenn man sauber arbeitet lässt sich auf diese Art und Weise auch ein gutes Ergebnis erzielen und das ist nicht perfekt, aber deutlich besser als vorher:

